Ein Film über Bündes hässlichste Zeit, NW Bünde 11.11.2023

Die Dokumentation „Der Geschichte Gesichter geben“ über jüdisches Leben bewegt und war im Universum gut besucht.

Von Gerald Dunkel

Bünde
. Seit vielen Jahren begleitet der Filmemacher Norbert Kaase die Gedenkveranstaltungen am Mahnmal auf dem alten jüdischen Friedhof am Marktplatz. Mit seiner Kamera fing er in mehr als zwanzig Jahren aber noch wesentlich mehr ein. Er begleitete vor allem die AG Netzwerk-Spurensuche am Gymnasium am Markt, die die Geschichte der Bünder Juden im Nationalsozialismus aufarbeitete und die Verbindungen in die USA knüpfte, wohin einige damals noch rechtzeitig flüchten konnten. Zur Vorstellung der 90-minütigen Dokumentation im Universum-Kino, das der Förderverein Universum der Netzwerkgruppe kostenlos zur Verfügung stellte, kamen am Mittwochabend 85 Besucher.

Eigentlich hatte Norbert Kaase gar keinen Gedanken an Polizeischutz verschwendet, bis ihn ein Bekannter fragte, ob er wegen der aktuellen Lage im nahen Osten denn daran gedacht hätte. „Erst dann habe ich daran gedacht“, so der Filmemacher gegenüber der NW. Wie Kaase am Abend der Vorstellung aber erklärte, sei die Polizei nach seiner Anfrage nicht in Sorge gewesen, da es sich um einen Innenveranstaltung handele. Und letztlich sollte es auch bei einem friedlichen Abend bleiben, an dem ein Film einerseits an die hässlichste Zeit Bündes erinnerte und zugleich auch die Annäherung und das Wiedersehen mit Menschen feierte, die die Angst vor der eigenen Ermordung vor Jahrzehnten zur Flucht zwang.

Norbert Kaase, Christina Jaffe von der Netzwerkgruppe und Uli Papke vom Verein International warben mit weiteren Initiatoren und Unterstützer für diesen Film, der vor allem für Schulen gedacht ist und in Kapiteln angelegt wurde, die einzeln im Unterricht behandelt werden können. 

Im Zuge ihrer Nachforschungen schuf die Netzwerkgruppe um Christina Jaffe Kontakte zu 14 jüdischen Emigranten und ihren Kindern und Enkelkindern in den USA – die teils auf Einladung der Gruppe nach Bünde kamen. Auch fanden mehrere Gegenbesuche in Amerika statt. Die AG veranstaltete aber auch Mahnwachen und andere Treffen zum Thema in Bünde, sprach auch mit den Nachkommen der Täter.

Norbert Kaase begleitete und dokumentierte als „Haus- und Hoffilmer“ alle Phasen dieser wichtigen Arbeit und schuf mit dem Film selbst ein Stück Geschichte, von dem noch künftige Schülergenerationen lernen können.